St Mark's

   

St Mark's

Es sind nur drei Blöcke in der achten Straße Lower Manhattans, die vom Astor Place zum Tompkins Square Park reichen, doch sie vereinen so ziemlich alles, was New York zu dem machte, was es heute ist. Ein bunter Topf der Kulturen und Epochen. Und gleichzeitig hat es mit dem New York, das viele kennen, nicht viel gemeinsam. Sind es doch eher der Dreck, die Anomalien und Querdenker, die dieses kleine Fleckchen im East Village zu etwas Besonderem formten.
Poeten und Journalisten bezeichnen St. Mark’s Place gerne als Parallelwelt. Ein treffender Name für einen Ort, der vor mehr als einhundert Jahren noch Little Germany heißt, in der um 1870 rund 170.000 Deutsche leben und Organisationen wie die Deutsch-Amerikanische Schützengesellschaft gründen – um dort weniger zu schießen, dafür aber umso mehr zu saufen.

Als die Deutschen sich auf die anderen Teile der Stadt verteilen, ziehen in die Gegend Schriftsteller wie Leon TROTSKY, der von dort aus für die russische Literaturzeitschrift „Novy Mir“ schreibt, bevor er Platz macht für die Beatniks um GINSBERG, KEROUAC und BURROUGHS. St. Mark’s wird nun ein Ort für die Bohemians der Stadt. Andy WARHOL gründet hier seine legendäre Performance-Reihe „Exploding Plastic Inevitable“ und etabliert The Velvet Underground, Nico und Edie SEDGWICK. Während die Hippies im Park Trommelkreise veranstalten, Gras rauchen und freie Liebe praktizieren, geben The Grateful Dead ihr New York Debüt nebenan in einer Konzertmuschel und bringen damit den Psychedelic Rock und LSD in das East Village. Ein Ort der Menschen, eine Kulturhochburg  – aber eben auch ein verdammt dreckiges Rattenloch. 1969 bezeichnet die New York Times die Ecke als „Unterwelt voller Gewalt und Verbrechen, den meisten New Yorkern so fremd wie die dunkle Seite des Mondes“.

Ein Image, das durch die Siebziger hindurch noch standhält – 1977 öffnet dort Manic Panic, die erste Punkboutique der USA. Als aber 1985 das größte Badehaus der dort ansässigen Schwulen-Community im Zuge der AIDS-Panik geschlossen wird, ist das das erste Anzeichen für das Schwinden dieser verrückten Parallelwelt. Fitnessstudios wurden errichtet, Mode-Trends halten Einzug und Franchise-Fastfood findet sich hier ebenso wie ein, zwei alte Cafés von früher. Denn ein bisschen vom alten Dreck ist geblieben. Man wird ihn wohl nie aus dem East Village kehren können. Er ist verschmolzen mit der Moderne. Hat sich angepasst. Kein schönes Wort. Aber nur schön sein, wollte St. Mark’s Place noch nie.

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