The Bob

 

FOTO / Torkil Gudnason
PRODUKTION / Tyron Machhausen
TEXT / Susanne Opalka



Firefly, Bob, Short Basic – Seit Vidal Sassoon sind das die Richtlinien für alle großen Friseure.


Millionen von Frauen verdanken ihm die Erlösung: Bis Ende der 50er Jahre trug man Frisuren, die nur der Friseur zustande brachte. Und das in endlosen Sitzungen, bei denen das Haar versteift, eingewickelt, onduliert oder sonstwie in Form gezwungen wurde. Ohne fiese Lockenwickler, heiße Trockenhauben, spitze Toupierkämme und Fluten von Haarspray ging da nichts. Bis Vidal Sassoon 1963 den „Bob“ präsentierte: einen einfachen Haarschnitt mit gerader, kinnlanger Konturlinie, flippig und einfach zu tragen. Eine Revolution! Nicht das Haar beherrschen, sondern Frisuren kreieren, die den natürlichen Fall des Haares berücksichtigen und eine optimale Form für das individuelle Gesicht gestalten, kurz, die Frau (und natürlich den Mann) tatsächlich schöner machen! Das Sassoon-Prinzip „Wash and wear“ war geboren: ein exakter Schnitt, der auch zu Hause nach dem Waschen wieder in Form fällt und – wenn überhaupt – nur minimales Styling braucht. „Aufgrund der Errungenschaften des Feminismus wollte und konnte keine intelligente Frau dreimal pro Woche zum Friseur, um sich die bis dahin üblichen Frisuren machen zu lassen. Plötzlich musste das Haar auch bei einem Mindestmaß an täglicher Zuwendung toll aussehen… Was wir erreicht haben, war ein Stück Freiheit“, so Sassoon selbst. Dafür hatte er jahrelang mit neuen Techniken und geometrischen Schnitten experimentiert und sich dabei von der Kunst des Bauhaus inspirieren lassen, dessen Anhänger er damals schon war.


„Ich stelle oft eine Analogie zur Architektur her – genau wie ein Architekt sich an der natürlichen Topografie orientiert, um eine Struktur innerhalb der Grenzen einer Stadt zu entwickeln, richten wir uns nach dem gegebenen Knochenbau und dem menschlichen Antlitz, um das Haar zu schneiden. Ich finde, dass eine gute Frisur, beziehungsweise ein guter Haarschnitt, die Ausstrahlung eines Gesichts verschönert, genauso wie gute Architektur eine Stadt verschönert.“ Sein Weg zum Revolutionär der Haarmode beginnt mit dem 14. Lebensjahr.


Vidal, 1928 geboren und im Londoner East End aufgewachsen, verlässt die Schule, um seine Ausbildung als „Shampoo-Boy“ in einem Friseursalon in London-Mayfair zu beginnen. Er gewinnt einige Wettbewerbe und eröffnet 1954 seinen ersten eigenen Salon in der Londoner Bond Street. Die öffentliche Meinung erhebt das bis dato schnöde Haareschneiden zur Kunstform, der Friseur avanciert zum kreativen Stylisten. Schuld daran ist allein Vidal Sassoon. Als die Beatles die Musik revolutionieren, präsentiert er den Bob. Keineswegs ganz neu. Schließlich hatte es in den 20er Jahren mit dem Bubikopf und dem Garçonne-Schnitt schon praktische Kurzhaarfrisuren für Frauen gegeben. Doch Sassoon etabliert die ehemals politisch motivierten Frisuren im Mainstream.


(MEHR ZU DIESEM THEMA IN DER AUSGABE 2/2005 AB SEITE 58)

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