FOTO / Kenneth Willard
PRODUKTION / Tyron Machhausen
TEXT / Kathrin Kunz



Der ureigentliche funktionale Sinn von Wimpern liegt im Schutz der Augen. Sie sollen Schmutzpartikel und kleine Insekten abfangen. (Apropos Insekten, sogar Fliegen besitzen Wimpern.) Heutzutage könnte man allerdings vermuten, dass ein schöner Augenaufschlag ausschließlich der Attraktivität und der Erhöhung der Flirtchancen dienlich ist. Mitunter kommt es aber vor, dass die Wimpern vom männlichen Geschlecht auch gern mal mit den Augenbrauen verwechselt werden. Die Anmache „Du hast ja unglaublich lange Augenbrauen“ kommt bei uns Frauen allerdings nicht so gut an … Die Lebensdauer von Wimpern beträgt zwischen 100 und 150 Tagen, dann fallen sie aus – um uns beim Wegpusten Wünsche zu erfüllen. Wimpernhärchen sitzen lockerer in der Haut als ihre Verwandten auf dem Kopf, deshalb immer sehr vorsichtig sein. Sonst sind schnell erhebliche Verluste zu beklagen. Am oberen Augenlid kann man etwa 150 bis 250 Härchen zählen, unten nur 50 bis 100. Auch in der Länge sind die oberen Wimpern mit 8 bis 12 mm den unteren mit 6 bis 8 mm überlegen. Aus der Psychologie ist bekannt, dass Menschen mit großen Augen sympathischer und freundlicher auf andere wirken. Das ahnten bereits unsere Vorfahren. Schon zur Zeit der Sumerer (um 4. Jh. v. Chr.) wurden Wimpern (und Augenbrauen) mit schwarzer und grüner Farbe betont. Auch Königin Kleopatra VII (um 69 v. Chr. bis 30 v. Chr.) ist für ihr dramatisches Augen-Make-up noch heute berühmt. Ihre Wimpern waren wahrscheinlich mit schwarzem Schwefelantimon gefärbt, es könnte aber auch verkohltes Elfenbein oder Kienruß gewesen sein. Augen-Make-up, wie wir es heute kennen, wurde erst mit dem Stummfilm (ab Ende der 20er Jahre) publik. Lippen- und Wangenrot benutzte man im Theater schon immer, aber Lidschatten und Wimperntusche waren neu. Die Betonung der Augen wurde erst durch Großaufnahmen vom Gesicht notwendig. Weil die Augen vor der Kamera nicht zur Geltung kamen, wurde Helena Rubinstein zu Rate gezogen. Sie umrandete die Augen mit Augenschwärze, tuschte die Wimpern und trug Lidschatten auf – das moderne Augen-Make-up war geboren.


(MEHR ZU DIESEM THEMA IN DER AUSGABE 1/2007 AB SEITE 158)

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