TEXT / Fabian Kölmel
Wie die 1970er-Jahre-Softporno-Ästhetik und das Frauenbild von Russ Meyer zu einem New Look der End-2000er avancieren.
Es gab eine Zeit, da wurde noch nicht unterschieden zwischen Hard- und Softcore, eine Zeit, in der Titten im Film noch heißer Sex waren und halb ausgezogen noch nackt genug. Es gab eine Zeit, da hätte das aktuelle RTL2-Vorabendprogramm noch als Porno verkauft und damit Millionen gemacht werden können.
In einer Zeit vor 40 Jahren, als youporn.com uns noch nicht mit Bukkake und Creampie überschwemmte und topless noch achtungsvoll als barbusig bezeichnet wurde. In den 1970ern, Post-Woodstock, kurz nach der Batik-Unerotik der Hippiebewegung und kurz vor der neuen Welle des Feminismus, erlebt die männergeformte Weiblichkeit ihren Höhepunkt und ein amerikanischer Regisseur und Produzent mit Hang zu großen Brüsten den Durchbruch. Als die UNO das Jahr 1975 zum Jahr der Frau proklamiert, arbeitet Russ Meyer an seinem mittlerweile 25. Softporno „Supervixens“ und an einer eigenen Definition von Frauenbewegung, beschränkt auf erdanziehungskraftgebeutelte Doppel-D-Oberweite. Seine heute harmlosen, aber damals noch provokanten Sexstreifen zeigen auf naiv-keusche Weise pseudobizarren Sex, umrahmt von kreativ-unsinnigen Plots: Schwer beladene Protagonistinnen fliehen vor testosteronüberladenen Peinigern. Da wackeln die Brüste auf und ab und die Kamera hin und her – dokumentarisch, amateurhaft, albern und gerade deswegen sexy. Russ kurbelt nicht nur die noch prüden, ungestillten Fantasien der Männer, sondern auch die schlechte Konjunktur einer Nach-Vietnamkriegs-Zeit an. „Vixen - Ohne Gnade, Schätzchen“ kostet in der Produktion 71.000 Dollar und spielt bis heute 24 Millionen ein. Russ schafft es nicht nur, mit billig produzierten Sexfilmchen ein Vermögen zu verdienen, sondern auch seinen Frauentyp als Standbild in den Männerköpfen der 70er-Jahre zu etablieren.
(MEHR ZU DIESEM THEMA IN DER AUSGABE 2/2008 AB SEITE 18)




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