TEXT / Claudia Seidel
FOTO / Daniel Lindh, Agent Molly
ASSISTENZ / Annika Wallman



Buchen im Odenwald, ein Städtchen irgendwo im Nirgendwo im Süden Deutschlands. Viel Wald, viel Feld und auch der gesunde Grünkern stammt aus dieser Gegend. Hätte meine beste Freundin nicht ihre familiären Wurzeln dort, niemals wäre ich in diese idyllische Gegend geraten. Wenn man in dieser Natur zu sich gelangt und danach fragt, in welchem Material diese Natur sich am besten ausdrückt, spricht man früher oder später über das Holz. Mit Holz verbinden sich Wärme und Gemütlichkeit, Echtholz vermittelt Sicherheit, Wertigkeit und Beständigkeit – alles, was Tradition eben auch so ausmacht. In Deutschland ist es natürlich die deutsche Eiche, die stellvertretend für eine ganze Wertepalette potent und unerschütterlich steht. Aber auch die Fichte ist in diesem Zusammenhang nicht ohne.

In Buchen hat Natur auch mit großer Natürlichkeit zu tun; mit einer Natürlichkeit im Umgang mit dem Leib. Es gibt dort die Legende, nach der die Stadt Buchen im 14. Jahrhundert von einer Armee belagert wurde. Wie dem Feind die kalte Schulter zeigen? Als die Nahrungsmittel zu Ende zu gehen drohten, entschlossen sich die Buchener, einen einzigen Mann gut zu ernähren, sodass er rund und satt bliebe. Üppig im Fleische stehend, ließen die Buchener den Mann dann auf die Stadtmauer klettern. Der streckte dem Feind seinen dicken, nackten Arsch entgegen. Ein eindeutiges und
entschiedenes Signal dafür, dass der Feind noch lange warten könne, bis die Stadt ausgehungert wäre. Belämmert zog die feindliche Armee ab. Der Mut der mittelalterlichen Gemeinde sowie das Verständnis für die unmittelbare Ausdrucksfähigeit des Körpers, gerade im Intimbereich, ist eine Erfolgsgeschichte, die im traditionellen Brauchtum der „Buchener Faschenacht“ in der Figur des Arschbleckers fortlebt. Während des alljährlichen Faschingsumzugs wird ihm noch heute der Hintern sehr häufig geküsst, Dank und Ehre diesem Körperteil.

Auch im Hier und Jetzt spielt in Buchen, präzise gesagt in Buchen-Hettingenbeuern, der selbstbewusste Umgang mit dem Körper eine große Rolle. In Fragen der sexuellen Lust, dem sinnlichen, erotischen Treiben, sich und andere Körper zu reiben, gilt Buchen längst nicht mehr als Geheimtipp. Das Unternehmen der Familie Thüry, mit dem brauchtümlichen Namen Waldmichlsholdi, ist, obwohl noch ein relativ junges Unterfangen, inzwischen zu einer relevanten Größe in der privaten Welt der Lust und Liebe aufgestiegen.

Eigentlich sollte aus dem Fichtenstück, das Thüry senior mit seiner Drehbank im Sommer 2006 bearbeitete, am Ende ein Holzpilz für den Garten werden. Doch das Schicksal wollte es anders. Unter seinen Händen formte sich die Fichte zu einem hölzernen Wiedergänger seiner Natur. Und bingo, eine Geschäftsidee war geboren, nachdem auf Ebay, dem ultimativen Markt- und Testplatz von Angebot und Nachfrage, das prototypisch gute Stück sofort verkauft war. Es fehlte dann nur noch der passende, eingängige Name. Wenn man, wie gesagt, wie die Thürys mitten im Wald zu Hause ist, braucht die Fantasie keine Purzelbäume zu schlagen, sondern man denkt an das Naheliegende, an das Reelle und damit auch an das überlieferte Liedgut. Mit „Lebt der alte Waldmichel denn noch …“ beginnt eine Weise, die als Inspirationsquelle Eingang in den kreativen Prozess der Namensgebung fand und den silbenbildenden Auftakt für das einläutete, worum es hier eigentlich geht: Dildos und Vibratoren aus bestem Fichtenholz, Holzdildos, sprachlich liebevoll zu Holdis geschrumpft und handmade in Germany – die Waldmichlsholdi war geboren.




(MEHR ZU DIESEM THEMA IN DER AUSGABE 3/2008 AB SEITE 198)

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