Text / Claudia Seidel
Foto & Realisation / Armin Morbach
Haare / Wendy Iles, Artlist Paris
Make-up / Helge Branscheidt, Ballsaal
Styling / Ingo Nahrwold, Bigoudi
Model / Christina Kruse, Mega
Bildbearbeitung / Sevengreen
Fotoassistenz / Stefan Vorbeck, Jorma Gottwald
Haarassistenz / Isabel Eiler, Ballsaal
Make-up-Assistenz / Manuela Schwozer, Ballsaal

Christina Kruse ist neben Claudia Schiffer und Nadja Auermann eines der erfolgreichsten deutschen Models. Wie andere sie schon gesehen haben, ist Legende. Wie sie sich selbst sieht, zeigt ihr »Reisetagebuch 1–5«; ihre Arbeiten als Künstlerin und Fotografin waren bereits in einigen Ausstellungen zu sehen.

Sie braucht nicht zu reden, sie wirkt auch so, krusenklar, wie ein Wodka auf Eis. Ihr markantestes Kennzeichen sind die platinblonden Haare, und dies seit Jahren, Jahren, Jahren, Jahren. Will man Platinblond up to date tragen, dann schaut auf diese Krusenmähne, hello!, sie ist einfach immer Status quo. Krusensicher gehört sie mit ihren saphirblauen Augen zudem in die Modelriege der großen Entrückten. Sie kommt wie Karen Elson und Stella Tennant einfach von einem anderen ellenlangbeinigen Stern. Sie stammt aus den Weiten der Lüneburger Heide, jetzt, nach einer Weile in Paris, lebt sie mit ihrem Sohn August in New York. Ihre Karriere beginnt 1996 zwischen Regalen – in Hamburg wird sie von Ted Linow, dem Mann hinter den »Mega Models«, in einem Einkaufszentrum entdeckt. Den Runway erreicht sie also erst nach den großen Namen. Das passte gut, in den neunziger Jahren kam sie gerade recht. Als Schlüsselfigur wirkt sie in der zweiten Hälfte dieser Dekade und prägt neben den Shows von Versace, Galliano und Dior den Look des Heroin-Chic. Trotz ihrer knapp 180 Zentimeter wird aus ihr jedoch nicht die geschmeidige Gazelle, allein ihr Charakter steht ihr da ein bisschen im Weg. Denn weder die Zeit am Montmartre noch diese Laufstegkilometer haben die Kanten der Kruse verschliffen. Was soll man sagen, die Kruse gilt als Intellektuelle und ist halt nicht so parlierend wie, sagen wir, die Klum, sie kann nicht spaltentauglich und will auch einfach nicht seicht. Gerade deswegen und dank ihres Talents für die Verwandlung lieben sie die internationalen Fotografen umso mehr, und so gilt die Kruse als die Muse, gerade eben haben sie Lamsweerde/Matadin als Aktmodell für sich und die Purple entdeckt. Joachim Baldauf wiederum kennt sie aus allernächster Nähe, das Gesicht der Kruse kennen die Leser der TUSH deswegen so gut. Für Meisel mimt sie wiederum perfekt die grelle Discoqueen und räkelt sich glamourschrill. Aufgrund ihrer Furchtlosigkeit, vor der Kamera alles zu geben, spielt sie auch den Freak bis in die Absurdität hinein. Ein junges Beispiel dafür ist ihre halsbrecherische Pose für die »Pagan Poetrys« des V-Magazines. Erfolgreich anders war sie schon immer und träumt auch gegenwärtig nicht vom Rückzug ins Private. Christina Kruse, die Wandelbare, mag mehr den Diskurs als den Konsens. Als Künstlerin, in ihren Zeichnungen, Fotografien und Collagen, ist sie heute mehr denn je bei sich.

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