Text / Fabian Kölmel
Foto / Armin Morbach
Haare / Seb Bascle, Artlist Paris
Make-up / Denise Grundmann
Models / Marcel Nestler, Place; Julien Quevenne, New Madison
Bildbearbeitung / Sevengreen
Fotoassistenz / Jorma Gottwald, Stefan Vorbeck
Mit dem Sieg über das A/H1N1-Virus und dem Ende des eisigen Winters scheinen die Ressourcen an Desinfektionsmittel aufgebraucht und der Wunsch nach kühler Sterilität gestillt. Ein Blick auf die aktuelle Mode- und Beautylandschaft zeigt abgerockte, schmutzige Military-Kleidung wie etwa das von Daria Werbowy vorgetragene army-grüne T-Shirt der Balmain- F/S-2010-Kollektion. Oder denken wir nur zurück an die Performance von Miss Gaga bei den diesjährigen Grammy Awards. Ihr Make-up war so gestaltet, als wäre sie tatsächlich frisch vom Acker, einmal durchs Schlammbad, kopfüber in die Kiesgrube, direkt im Matsch gelandet. Ganz plötzlich scheinen aus neuen Ikonen alte Schmutzfinken zu werden, die ihren doch sonst so perfekten Teint in den Dreck ziehen. Sehen Sie sich unsere Jungs hier einmal an: Die Angst, sich schmutzig zu machen, ist momentan gänzlich aus der Mode. Vielleicht suchen wir ganz einfach einen Ausgleich zu unseren digitalen Parallelleben und Phänomene wie Guerilla Gardening sind eben nichts für Saubermänner. Die weißen, glänzenden Oberflächen wurden im Interior-Bereich längst durch organische Formen und Materialien ersetzt. Back to Rohstoff, back to Dreck. Nicht nur als Schocktherapie und zur Desensibilisierung des Immunsystems, vor allem dient das psychologisch-therapeutischen Zwecken. Schmutz ist der Antiheld unseres kommerziellen Beautykosmos, ein Schlag in die Magengegend eines von PR-Texten geformten Ideals von Reinheit, ein Rachefeldzug an in Spucke getränkte Stofftücher. Fazit: Dreck kann und muss man nicht immer einfach so mal eben auswaschen und wegwischen, Dreck muss man manchmal ertragen und auch tragen können. This is 2010, finally.


