Foto & Realisation / Armin Morbach
Interview / Kaey
Haare / Seb Bascle, Artlist Paris
Make-up / Nina Park, Ballsaal
Styling / Ingo Nahrwold, Bigoudi
Setbau / Friederike M., Ballsaal
Model / Crystal Renn, Ford NY
Bildbearbeitung / Torben Ban
Jahrelang hat Crystal Renn ihren Körper gequält, um ein erfolgreiches Model zu werden. Doch erst als sie sich traute, sie selbst zu sein, Kam die Karriere richtig ins Rollen.
TUSH: Was glaubst du, ist die Masse mittlerweile bereit für Plus Size?
Renn: Absolut, denn auch Celebreties geben das Ideal langsam auf, in Kleidergröße 32/34 zu passen. Die Öffentlichkeit vergisst manchmal, dass diese Stars genug Geld haben, um einen Trainer für 300 Dollar pro Stunde zu engagieren. Sie haben das Geld, um sich operieren zu lassen. Sie haben all diese Möglichkeiten, um ihre Körper zu formen. Der Normalsterbliche hat das alles nicht. Es geht um Vielfalt und darum, verschiedene Körperbilder zu zeigen. Denn genau so sind Frauen.
TUSH: Aktuell bist du aufgrund deiner Modelkarriere berühmt. Wofür wärst du außerdem noch gern bekannt?
Renn: Eines möchte ich klarstellen: Ich glaube nicht, dass Ruhm der Grund war, weshalb ich mit diesem Job angefangen habe. Es ging mir um die Kunst, ich wollte Teil dieser besonderen Editorials sein. Natürlich geht der Berühmtheitsgrad mit solchen Angeboten einher. Jetzt, wo ich den so genannten Ruhm erreicht habe, möchte ich ihn als meine Stimme nutzen und über Dinge sprechen, um etwas zu verändern, um Leute herauszufordern ihre Standards zu überdenken. Ich habe eine Meinung und viele Ideen in meinem Kopf. Bekannter zu sein gibt einem die Möglichkeit, Dinge laut auszusprechen und zum Ausdruck zu bringen. In der Zukunft würde ich gerne mehr im Bereich Styling und Artdirection arbeiten und zu einem anderen Part des kreativen Prozesses werden, egal in welcher Form. Ich möchte etwas verändern, egal ob es nun dabei um Körperbilder geht oder darum, wie die Welt Frauen wahrnimmt.
TUSH: Man sagt, der Körper hat seine eigene Sprache. Was hat dir dein Körper die letzten 8 Jahre erzählt?
Renn: Ich glaube, alles funktioniert nach bestimmten Regeln, nicht nur der Körper. Es gibt Gesetze, wie die Dinge im Universum funktionieren. Manche Sachen sind festgelegt. Und dein Körper wurde so geschaffen, dass er dir sagt, was er braucht und will. Das Wichtigste ist, in der Lage zu sein, diese Stimme auch zu hören. Vielleicht bekommt man ein Verlangen nach bestimmtem Essen und diesem Verlangen sollte man unbedingt nachgeben. Denn dein Körper sagt dir, dass dir bestimmte Nährstoffe fehlen. Im Grunde ist der Körper ein Ratgeber, wie du dein Leben führen kannst. Was in deinem Kopf vorgeht und wie du dich fühlst, kann dir zeigen, wie du leben sollst und glücklich werden kannst. Natürlich habe ich das auch nicht perfektioniert. Aber für mein Alter, wenn man bedenkt, wo ich vor 6, 7 Jahren war, bin ich einen langen Weg gegangen. Seit meiner Kindheit bin ich obsessiv und kontrollsüchtig, das werde ich immer sein. Aber ich weiß, wer ich bin, und kann es akzeptieren. Man kann diese Energie nutzen und sie in etwas Positives umwandeln, anstatt seinen Körper zu hassen und zu ändern, wer man ist. Ich habe begonnen Klavier zu spielen, ich liebe Wandern und möchte gerne malen. Man kann negative Denkmuster umwandeln. Ich war in der Lage, das zu schaffen. Und ich glaube fest daran, dass es wirklich jeder schaffen kann.
(MEHR ZU DIESEM THEMA IN DER AUSGABE 2/2010 AB SEITE 172)









