Text / Susanne Opalka
Foto, Haare & Make-up / Armin Morbach, Schwarzkopf Haarexperte
Styling / Katrin Gerhardy, Ballsaal
Model / Josefine B, Mega
Bildbearbeitung / Elektronische Schönheit
Fotoassistenz / Jorma Gottwald, Maxi Hirthe
Haar- & Make-up-Assistenz / Boris Rieker, Ballsaal
Susanne Opalka ist eine Instanz des deutschen Beauty-Journalismus. Für TUSH war sie von Paris bis Berlin im Auftrag der Schönheit unterwegs und hat die neuesten Methoden ästhetischer Eingriffe recherchiert. Ihre Erkenntnisse: Finger weg vom Skalpell und Jugend ist spritzbar!
Beim Frühstück im Hilton Arc de Triomphe sitzen überdurchschnittlich viele feinnasige Männer und mimikbefreite Damen um ihre Eiweißspeisen herum. Ich wette mit mir selbst (um eine Ladurée-Duftkerze), wen von den Getunten ich gleich wiedersehe – als Arzt, als Beobachter oder als Modellpatientin. Denn hier in Paris wird gleich an lebenden Objekten präsentiert, was momentan als High End der ästhetischen Schönheitskorrekturen gilt, als State of the Artificial sozusagen. In der Beautymedizinersprache heißt das korrekt „3D full face remodelling“ und meint: eine komplette Gesichtsverjüngung ohne Skalpell nur mit Spritzen. Wie das gehen soll? Theoretisch ganz einfach: durch das Ersetzen von Volumen. Denn das Volumen oder vielmehr der Verlust desselben gilt zur Zeit als Anti-Jugendfaktor. Weltweit murmeln Chirurgen neuerdings einhellig das Mantra: „It’s all about Volume!“ Ergebnis: genau das Gegenteil dessen, was Schönheitschirurgen bisher Gesichtern antaten. Statt faltenfrei zu spritzen, die Haut straff über Wangen und Kinn zu tackern, die Muskeln zu verkürzen, die Augen zu vergrößern und in Höhlen zu legen, geht’s jetzt genau andersrum: nicht wegnehmen, sondern dazugeben – wie bei einem durchgesessenen Sofa, da näht ja auch keiner den Stoff enger, sondern stopft die Kissen wieder so prall, wie sie mal waren, als sie neu waren … Wobei fürs komplette Gesicht lediglich 3 bis 10 Milliliter (also höchstens ein halber Schnaps) Füllung ausreichen. Vorzugsweise kommt dafür Hyaluronsäure zum Einsatz, eine körpereigene Substanz, die im Labor nachgebaut wird. Je nach Herstellerfirma heißt sie dann „Restylane“, „Juvéderm“ oder „Belotero“. Neu ist „Novabel“ – ein Filler aus Algen hergestellt, aber auch Eigenfett wird wieder populärer. Nur woher nehmen? Meg Ryan versus Demi Moore, Michelle Pfeiffer gegen Melanie Griffith, Sharon Stone statt Cher, Julianne Moore contra Nicole Kidman – das neue Gesicht, das „It-Face“ der Stunde, punktet mit den Features, die biologisch auch schon immer für Jugend standen: pralle Haut mit Glow, eine definierte Kinnlinie und vor allem dicke Backen, sorry, volle, pralle Wangen wie die eines Babys, in die man sofort kneifen möchte. Und das soll nun ohne Skalpell möglich sein, ohne OP, ohne Narben, selbstverständlich ohne Schmerzen und Nebenwirkungen. Von 50 auf 30 in einer Stunde. Dolles Ding. Auf dem Weg zur Veranstaltung von Q-Med, dem Hersteller der meistverwendeten Füllersubstanz Restylane, in der Rue de Lisbonne wandern meine Augen die prachtvoll renovierten und restaurierten Häuserfassaden hinauf, die Gedanken zum inneren Dialog hinab – ja, natürlich, Schönheit ist unbedingt erhaltenswert. Aber kann man das vergleichen?
(MEHR ZU DIESEM THEMA IN DER AUSGABE 2/2010 AB SEITE 122)




