Interview / Claudia Seidel
Kaum jemand hat die Grenzen der Beautywelt in den letzten Jahren so sehr erweitert wie Peter Philips. Ein seltenes Interview mit einem vielbeschäftigten Mann, das nicht nur erklärt, warum ein knallroter Lippenstift nicht immer erste Wahl sein muss, sondern auch, dass der Begriff Make-up-Artist hin und wieder tatsächlich im wahrsten Sinne des Wortes zu verstehen ist.
TUSH: Mit unserer Jubiläumsausgabe feiern wir nicht nur die zwanzigste TUSH, sondern auch unsere ganz persönlichen Idole. Deswegen zunächst die Frage, ob Sie uns verraten würden, wer für Sie ein Idol darstellt.
Philips: Sophia Loren.
TUSH: Warum?
Philips: Vielleicht weil meine beiden Großväter sie sehr mochten und dachten, sie sei die wunderbarste Frau auf Erden. Ich liebe ihre Filme, sie ist eine unglaublich gute Schauspielerin. Vor drei oder vier Jahren traf ich sie auch persönlich, als wir den Pirelli-Kalender produzierten. Ich fand, dass sie in Wirklichkeit noch viel schöner ist, denn sie hat ein einzigartiges Gesicht. Sie machte
ihr Make-up selbst, und zwar absolut perfekt, und somit kreierte sie ihren völlig eigenen Look. Voilà. Für mich ist Sophia Loren wirklich eine Ikone.
TUSH: Was sind für Sie die Gründe, weswegen manche Menschen zu Idolen für die Masse werden? Und auf welche Weise würden Sie vorgehen, um ein Idol mit einer massenwirksamen Attraktivität zu schaffen?
Philips: Nun, ich bin kein Modedesigner und schicke keine Models auf den Laufsteg, das übernehmen Karl Lagerfeld und alle anderen, die eine Show kreieren. Als Make-up-Artist arbeite ich für einen Designer, ich bin Teil eines Teams und versuche, Visionen in die Wirklichkeit umzusetzen. Ich versuche eine Vision vollkommen zu machen, genauso wie auch das Licht, die Haare, die Musik und das Casting dazu beitragen. Aber was macht eine Frau zur Ikone? Für mich gibt es einen Unterschied zwischen der Arbeit, Models beispielsweise für ein Editorial extrem gut aussehen oder ikonisch wirken zu lassen und einer wahren Ikone. Letztere haben immer etwas extra zu geben, was sie besonders macht.
TUSH: Obwohl Sie sagen, Sie seien nur Teil eines Teams, kennt man von Ihnen Make-up-Designs, die, wie ich finde, bereits ikonisch sind, wie das Mickymaus-Gesicht oder die Serie der Schädel…
Philips: Nun, als ich 1999 Mickymaus auf das Gesicht eines Jungen malte, wurde ich danach unzählige Male gebeten, es wieder und wieder zu tun. Aber ich wollte es nicht, ich habe es einmal gemacht, weil ich finde, es war perfekt für genau dieses Shooting, mit diesem Jungen, mit dem Fotografen und ich habe auch kein Interesse, meine Arbeit zu banalisieren. Jedenfalls galt ich seitdem als Mr. Mickymaus. Etwa ein Jahr später gab es ein Shooting für das i-D Magazine, für das ich einen Schädel schminkte – und plötzlich war ich Mr. Skull. Als ich die Totenköpfe nochmals machte, habe ich, anders als bei der ersten Serie, Glitter benutzt, um widersprüchlich zu sein und obwohl es der Stylist nicht mochte.
(MEHR ZU DIESEM THEMA IN DER AUSGABE 2/2010 AB SEITE 226)




